Back to the Reviews listing
Tonhalle, Zürich - Neue Zürcher Zeitung
Thursday 31 May 2007

Leidenschaftlich, dabei in der Umsetzung des Notentexts stets kontrolliert, erzeugte Piotr Anderszewski bei seinem Klavierabend in der Tonhalle Zürich ein anregendes Wechselbad der Gefühle. Der Pianist polnisch-ungarischer Abstammung, der heute in Paris lebt, zeigte sich als eigenwilliger Denker am Klavier - intelligent, tiefsinnig und mitunter unbequem. In Robert Schumanns Humoreske op. 20 tat er nichts, um die ungebundenen Gedanken und mosaiksteinchenartigen Materialien zu einem haltbaren ganzen Zusammenzufügen. Einfach, wie vorgeschrieben, und im Flüsterton begann das halbstündige Werk, um bald darauf in mutwilliger Laune fortzuspringen. Die rhythmische Bewegung wurde von Anderszewski bis zum Hastigen gesteigert, dann wieder in lyrischen Momenten bis zum Fast-Stillstand gedehnt. Am Ende führte dies unweigerlich zur Auflösung des klassischen Formdenkens, und gerade hier zeigte sich die Kühnheit Schumanns auf eine ungeglättete, fast verstörende Art und Weise.


Photo: © K. Sakayori 2007
Source: Neue Zürcher Zeitung


Site Credits
© 2004-2016 Piotr Anderszewski. All Rights Reserved.
All sound clips and images reproduced with permission of their respective owners.