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Berlin Philharmonie - Berliner Tagesspiegel
Monday 29 November 2004

Der 35-jährige Pole hat sich in den letzten Jahren seinen Platz in der Pianistenelite erobert, gilt halb als Exzentriker, halb als Romantiker. Vor allem aber ist Anderszewski ein Klangalchimist, dem eine schier unerschöpfliche, an die Anschlagskunst eines Rubinstein oder Firkusny erinnernde Palette an valeurs zu Gebote steht.

Sein Bach-Spiel lebt denn auch weniger von der rhetorischen Zuspitzung polyphoner Struktur, die barocken Miniaturen fungieren eher als Vorzeichnungen, auf die der Künstler seine Farben aufträgt: Die Geziertheit der galanten Figuren wird manchmal geradezu schroff artikuliert, bald in geheimnisvolles Halbdunkel getaucht. Dann wieder findet Anderszewski mit zugleich kernigem und weichen Ton in Bachs Musik einen Gesang von erhabener Schönheit. Der Künstler legt an die Geschnichte sein eigenes Mass: Der Weg von Bachs Courante zum Scherzo von Chopins nach der Pause gespielter h-moll-Sonate ist nicht weit. Das gleiche silberne Mondlicht Schcint auf Bachs Sarabande und Chopins Largo - und flirrt auch durch Karol Szymanowskis an Skriabin und Debussy erinnernde 'Metopen', delikaten Klangvisionen einer idealen Antike. Ein grosser Pianist. Ein grosser Musiker.
Source: Berliner Tagesspiegel


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