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Tonhalle, Zürich - Neue Zürcher Zeitung
Thursday 21 March 2013

In der Zürcher Tonhalle gab er im Zyklus Meisterinterpreten ein intelligent durchdachtes Programm. Johann Sebastian Bach zu Beginn, die Französische Suite Nr. 5 in G-Dur (BWV 816), geschmackvoll «übersetzt» auf den modernen Konzertflügel. Mit sparsamem Pedalgebrauch unterstützte er den Spannungsverlauf farblich, der Klang war ganz transparent dank einer pointierten, doch nie übertriebenen Artikulation. Und er sang - ein Erlebnis. Dann Robert Schumanns C-Dur-Fantasie op. 17, gespielt mit einer Freiheit sondergleichen und doch am Text. Stets hielt er die Agogik in Bewegung, dehnte, stauchte er die Zeit - so wurde die Musik auch zu Schumanns Zeiten aufgefasst. Die Feinabstimmung der Farbwerte: in jedem Moment sinnstiftend. Vor allem war eindrücklich, wie er die drei Sätze ganzheitlich aufbaute und etwa dem auftrumpfenden Schluss des zweiten eine solche Spannung gab (das können wenige), dass der nachfolgende langsame dritte geradezu erwartet wurde: Leidenschaftliche Emotionalität entstand, und doch waren alle Elemente genau in der Balance.

Photo: © K. Miura 2007
Source: Neue Zürcher Zeitung


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