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Schiller Theater, Berlin - Berliner Morgenpost
Monday 17 March 2014

Er zieht unerhörte Dinge aus den Partituren, Dinge, die keiner sonst für möglich gehalten hätte. Doch er tut dies mit entwaffnender Ernsthaftigkeit und großer Überzeugungskraft. Ehrlich und selbstlos dringt er in der zweiten Konzerthälfte in Leos Janáceks eigenwillige Klavierästhetik des frühen 20. Jahrhunderts ein. "Auf verwachsenem Pfade" heißt der Zyklus, mit dem der tschechische Komponist den Tod seiner 21jährigen Tochter verarbeitet hat.

Anderszewski setzt einsame Schmerzakzente, durchleidet fünf posthum veröffentlichte Klavierstücke aus diesem Werk in stiller Inbrunst. Im Kopfsatz von Beethovens später As-Dur-Klaviersonate op. 110 bannt er sein Publikum anschließend wieder mit schier endlosen Pianissimo-Schleiern. Er breitet sein gesamtes Können in so konzentriertem Reichtum aus, dass man nur staunen kann. Trotz stürmischer Leidenschaften und aufopfernder Hingabe hält Anderszewski die Beethoven-Zügel jederzeit fest in der Hand. Begeisterter Beifall und zwei Zugaben folgen. Man muss Hausherr Daniel Barenboim danken, dass er diesen Ausnahme-Pianisten ins Schiller Theater geholt hat  einen Pianisten, der so meilenweit von Barenboims eigenen musikalischen Anschauungen entfernt ist.

Photo: © K .Miura 2007
Source: Berliner Morgenpost
Web link: Berliner Morgenpost


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